Haferwurzel: das neue, alte, unbekannte Gemüse

Haferwurzel

Haferwurzel bekommt man nicht jeden Tag zu Gesicht. Und bevor jemand fragt: Nein, es ist nicht die Wurzel vom Hafer (der hat gar keine so dicke), sondern ein ganz eigenes Gewächs. Früher wurde es häufig angebaut und war vor allem im Winter eine Delikatesse. Aber leider, leider ist die Zubereitung von Haferwurzel ein bißchen (aber wirklich nur ein bißchen!) mühsam. Deshalb ist das Produkt wahrscheinlich aus unseren Supermarktregalen verschwunden.

Ein Jammer.

HaferwurzelJetzt ist es mir gelungen, beim Biobauern des Vertrauens Haferwurzel aufzutreiben. 500 g davon reichen als Hauptgereicht für 2 Personen oder als Beilage für vier. Ich habe zwei verschiedene Zubereitungen ausprobiert, die beide gut schmecken. Die zweite ist ein wenig origineller, aber auch die erste durchaus lecker, wenn auch „klassischer“.

Doch zuerst ein wichtiger Hinweis. Bei der Zubereitung verhält sich Haferwurzel wie Schwarzwurzel (sie schmeckt auch ein wenig ähnlich). Das heißt: Beim Schälen und schneiden läuft sie braun an. Aber genau wie bei der Schwarzwurzel kann man das verhindern. Das Schälen funktioniert am besten mit einem Sparschäler und unter Wasser, z. B. unter einem aufgedrehten Wasserhahn. Dann läuft nichts an und man hat keine Probleme. Bei der weiteren Zubereitung hilft etwas Zitronensaft, um die schöne helle Farbe der Haferwurzel zu erhalten. In meinem Falle bin ich etwas origineller vorgegangen und habe dem Kochwasser einfach etwas Vitamin C (Pulver aus der Apotheke, ca. 1/4 TL auf 4 L Wasser) zugefügt. Vitamin C verhindert das Anlaufen wesentlich effizienter als Zitrone und schmeckt nicht so intensiv.

HaferwurzelFür mein erstes Rezept habe ich die Haferwurzeln geschält, längs geviertelt und dann in ca. 4 cm lange Stücke geschnitten. Diese Stücke habe ich in stark gesalzenem und mit Vitamin C versehenen Wasser ca. 12-15 Minuten lang sprudelnd weich gekocht. Dann habe ich sie abgegossen und kurz vor dem Servieren in heißer Nußbutter geschwenkt und gesalzen. Das Ganze war eine wunderbare Beilage zu Steak und Kartoffelpüree. Ein zweites Mal habe ich das gleiche Rezept für ein vegetarisches Gericht verwendet. Zu den Haferwurzeln gab es kleine Kartoffeln und eine hausgemachte Majo. Auch das hat sehr gut geschmeckt.

Mein zweites Rezept für Haferwurzel lehnt sich an ein Lauch-Rezept des dänischen Kochs Rene Redzepi („Noma“) an. Für dieses Rezept müssen die Haferwurzeln zunächst eine halbe Stunde in eiskaltes Wasser gelegt und dann gut abgebürstet werden. Sie werden nicht geschält. HaferwurzelDann heizt man einen Holzkohlegrill auf 200° vor. Die Haferwurzeln kommen so, wie sie sind, auf den Grill und werden ca. 10-15 Minuten lang gegrillt und dabei einmal gewendet. Am Ende sind die Haferwurzeln außen komplett schwarz, und das ist auch richtig so. Die schwarze Kruste kratze ich jetzt mit der Rückseite eines Messers etwas ab, halbiere die Haferwurzeln einmal längs, salze sie und beträufle sie mit etwas kaltgepreßtem Rapsöl. Sehr lecker und ein Gericht ganz für sich alleine. Wer sehr viel Hunger hat, kann noch eine Kartoffelpüree dazu reichen.

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