Geht ganz einfach: Sauerteig selbstgemacht

Sauerteig selbstgemacht

Sauerteig selbstgemacht ist seltsamerweise etwas, wovor viele Hobbyköche Angst haben oder zumindest Respekt. Dabei gibt es in der Küche kaum etwas einfacheres und gleichzeitig lohnenderes. Ich rate deshalb unbedingt dazu, Sauerteig selbstgemacht auf jeden Fall mal auszuprobieren. Es kann dabei sehr wenig schiefgehen. Und das Brot, das man aus diesem Sauerteig herstellt, schmeckt unglaublich lecker und „wie bei Oma“. Und außerdem ist Brot aus Sauerteig selbstgemacht auch noch sehr gesund.

Sauerteig gibSauerteig selbstgemachtt es ja schon seit Tausenden von Jahren. Nach allem, was man heute weiß, ist er vermutlich durch Zufall entstanden. Wahrscheinlich hat einfach irgendwann  mal einfach jemand ein Stückchen Brotteig (also Mehl mit Wasser) in irgendeiner Ecke liegen gelassen. Und als man den Teigrest dann Tage später wieder gefunden hat, da hat er so seltsam geblubbert und roch auch ein bißchen komisch…

Die Methode von damals sagt im Prinzip schon sehr viel darüber aus, wie man Sauerteig selbst herstellen kann. Grundsätzlich besteht Sauerteig aus nichts anderem als Mehl, Wasser und Hefebakterien. Die beiden ersten Zutaten kann man kaufen. Die dritte Zutat muß man gar nicht kaufen. Denn Hefe-Bakterien, die die Mehl-Wasser-Mischung ganz ohne weiteres Zutun in Sauerteig verwandeln können, gibt es überall. Sie schwirren einfach durch die Luft und man muß sie nur „einfangen“, wenn man Sauerteig selbst herstellen möchte.

Ich habe zum Thema „Sauerteig selbstgemacht“ viele schlaue Bücher gelesen, die mit teilweise sehr genauen Rezepten aufwarten. Nach meiner Erfahrung ist das aber alles Quatsch. Es kommt überhaupt nicht auf irgendwelche genauen Mischungsverhältnisse an. Nur zu trocken darf der Sauerteig nicht sein, denn dann fühlen sich die Bakterien aus irgendeinem Grund nicht richtig wohl.

Aber der Reihe nach.

Wenn ich Sauerteig selbst herstellen möchte, dann beginne ich immer nach dem gleichen Prinzip: Ich nehme eine 1.5 L- Tupperbox. Da hinein gebe ich ca. 2-3 Esslöffel Roggenmehl (Weizenmehl geht auch, aber Roggenmehl funktioniert noch besser) und in etwa die gleiche Menge lauwarmes Wasser, vielleicht auch etwas mehr. Am Ende wollen wir einen Brei haben. Keine Paste und auch keine Flüssigkeit, sondern einen Brei. Im Zweifel soll der eher zu flüssig als zu fest sein.

Diese Mischung lasse ich jetzt in meiner Küche – abgedeckt mit einem luftdurchlässigen Tuch – stehen. Und zwar tagelang. Pro Tag rühre ich die Mischung mit einer Gabel einmal gründlich durch.

Nach ca. 4 Tagen bis einer Woche beginnt die Mischung ganz leichte Bläschen zu bilden. Das geht im Sommer wesentlich schneller als im Winter, denn im Sommer ist es in meiner Küche ein paar Grad wärmer. Und die Bläschen bedeuten: Es hat funktioniert. Wir haben jetzt genügend Bakterien eingefangen, die das Mehl fermentieren und damit Sauerteig erzeugen.

Damit ist ein Großteil der „Arbeit“ geschafft. Jetzt heißt es nur noch, den Sauerteig jeden Tag einmal zu „füttern“. Tut man das nämlich nicht, verwandelt sich die essigsaure Gärung, die wir für Sauerteig haben wollen, in alkoholische Gärung. Dann könnten wir aus unserem Sauerteig zwar am Ende Schnaps brennen, aber kein Brot mehr backen. Und damit das nicht passiert, gebe ich jeden Tag wiederum ca. drei EL Mehl (oder auch etwas mehr, wenn der Teig schon etwas älter ist) und die gleiche Menge lauwarmes (!) Wasser dazu. Das lauwarme Wasser ist wichtig, da bei zu kaltem Wasser die Bakterien abgetötet werden können, und bei zu warmem Wasser ganz genauso. So ca. 20-30 Grad Wassertemperatur sind ideal.

Wenn wir genügend Sauerteig „erbrütet“ haben, geht es ans Brotbacken. Dafür nehme ich ca. 150 g Sauerteig, ca. 200 g Wasser (lauwarm) einen guten TL Salz und 500 g Mehl, und zwar Roggen- und Weizenmehl gemischt. Auch hier gibt es kein genaues Rezept. Ich gebe die Zutaten in meine Küchenmaschine und Knete sie durch. Der Teig ist richtig, wenn sich alle Zutaten verbinden, aber sie nur wenig bis gar nicht an der Schüssel der Küchenmaschine kleben bleiben. Im Prinzip ist ein feuchter Teig besser, läßt sich aber einfach schwerer handhaben.

Ist der Teig verknetet, lasse ich ihn 12 Stunden gehen. Dann rühre ich ihn nochmal durch, gebe ihn in einen Gärkorb und lasse ihn dort weitere 12 Stunden gehen. Dann heize ich den Ofen mitsamt einem Pizzastein auf der unteren Schiene auf 230 Grad auf. Das Brot kommt hinein und wird mit Wasser besprüht. Ich backe ca. 15 Minuten bei 230 Grad und schalte dann herunter auf 210 Grad. Das Brot backt so nochmal eine gute halbe Stunde – und fertig ist ein superleckeres Sauerteig-Brot!

2 Kommentare

  1. Eva Meier sagt: Antworten

    Vielen Dank für die genaue Anleitung.
    Ich hatte es schon mal probiert und leider Essigbakterien gezüchtet.
    Nun wird ein neur versuch gestartet.
    Kann ich mit dem Sauerteig, den ich mit Roggenmehl ansetze dann auch Weißbrot backen?

    1. Thomas Gerlach sagt: Antworten

      Liebe Eva,

      jawoll, ich mache mit dem Roggen-Sauerteig auch Weizenbrot. Allerdings landet bei mir ab und zu auch einfach etwas Weizenmehl im Sauerteig, z. B. wenn ich Reste habe oder mal wieder die Arbeitsfläche zu großzügig mit Mehl eingestäubt habe… 😉 Gutes Gelingen!

Schreibe einen Kommentar