Brasserie Colette Tim Raue München

Die Brasserie Collette Tim Raue München ist eines von bundesweit drei Outlets für französische Bistro Küche, die der Berliner Spitzenkoch betreibt. Am südlichen Ende der Münchner Innenstadt liegt das Lokal, in einer Straße, in der das Nachtleben pulsiert.

Wer das Restaurant betritt, findet sich sofort in einer Art Disneyland wieder. Aus der Retorte wird hier das Klischee einer französischen Kneipe zelebriert. Das beginnt bei den nur scheinbar altertümlichen Glasscheiben im Windfang und endet noch lange nicht bei den kupferfarbenen Abfalleimern auf der Toilette im Untergeschoss. Auch das Gestühl – unbequem wie in Frankreich – und die viel zu kleinen Tische gemahnen an französische Vorbilder.

Vor kurzem wir haben die Brasserie Collette Tim Raue München an einem ganz normalen Samstag Mittag besucht. Zur Auswahl gab es entweder eine kleine Mittags Karte mit drei verschiedenen Varianten, die man entweder als zwei-Gang- oder drei-Gang-Menü bestellen kann. Außerdem gibt es eine relativ umfangreiche Karte, an die wir uns hielten.

Vor dem eigentlichen Essen kam erst mal etwas wirklich sehr gutes Weißbrot, dazu die von Tim Raue schon bekannten Essiggürkchen, die er unter eigenem Namen produzieren lässt. Außerdem kam ein kleines Schälchen mit einer aufgeschäumten Nussbutter, die zwar zum Brot sehr gut, zu den Essig-Gurken aber gar nicht so recht passen sollte.

Als ersten Gang hatten wir einmal eine mehr als klassische ganze Artischocke nach französischem Vorbild, d.h. sehr lange gar gekocht in Salzwasser, das mit Essig angereichert worden war. Zu dieser Artischocke gab es drei verschiedene Dipps auf Mayonnaise-Basis, die sehr gut abgeschmeckt waren. Die Artischocke selbst war völlig in Ordnung, aber unspektakulär, will heißen: exakt genauso wie meist in Frankreich.

Unsere zweite Vorspeise war da schon spektakulärer: Froschschenkel bekommt man hierzulande leider sehr selten, Sie genießen völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Tatsächlich handelt es sich hier um butterzartes Fleisch, dass man auf den ersten Blick von Hühnchenfleisch nicht unterscheiden kann. Auch in diesem Fall war es sehr zart gegart und von einem hauchdünnen Teig umschlossen. dazu gab es eine Art Tomatenkompott und eine sehr grüne Kräutercreme sowie drei (!) Kartoffel Chips. Insgesamt fehlte mir ein wenig das Salz an den Froschschenkeln. Dieses Problem habe ich allerdings häufiger. Unter dem Strich ein ordentlicher Gang für ein Restaurant dieser Klasse.

Zum Hauptgang gab es dann einmal ein Hähnchen in einem leider nicht sehr fluffigen Blätterteig. Der andere Hauptgang war ein klassisches Boeuf Bourgignon, butterzart wie es sein soll. Dieses klassische Gericht in einer solchen Qualität herzustellen, ist für eine moderne Restaurantküche mit ihrer technischen Ausstattung allerdings kein großes Problem. Das begleitende Kartoffelpüree war unspektakulär.

Insgesamt möchte ich hier nicht über Gebühr meckern, aber von einer Brasserie unter der Regie von Tim Raue hätte ich mir hier ein wenig mehr erwartet.

Zum Abschluss kam dann für mich das eigentliche Highlight des Tages: eine sehr gute Creme Brulee, darauf ein Erdbeersorbet aus dem Pacojet sowie wirklich genial bissfest gegarte Stücke vom Rhabarber. Mir ist allerdings schleierhaft, wie man zunächst eine knusprige Creme Brulee herstellen kann, nur um sie dann mit Rhabarber und Sorbet zu belegen, wodurch sie wieder aufweicht.

Insgesamt hinterlässt die Brasserie Collette Tim Raue München bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck. Das Essen ist weiß Gott nicht schlecht, aber die Preise sind sehr hoch und das, so finde ich, reicht in einem gastronomischen Umfeld wie in der Landeshauptstadt München nicht unbedingt aus.

Der Laden war entsprechend alles andere als voll, und ich frage mich, ob man auf diesem Qualitätsniveau auf Dauer solche Preise wird rechtfertigen können. Mein größtes Problem unter dem Strich ist allerdings die seltsame Atmosphäre in dem Lokal. Man ist hier nun mal in München und nicht am linken Ufer der Sehne in Paris, deswegen finde ich, man sollte dann auch nicht so tun als ob.

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