Tim Raue „My Way“ – das neue Kochbuch des Meisters

Tim Raue My Way

My Way“ heißt das neue Kochbuch von Tim Raue. Die Anspielung an den berühmten Song von Frank Sinatra ist sicher ebenso wenig Zufall wie Ausdruck überbordender Bescheidenheit. Allerdings: Man mag von Tim Raue persönlich halten, was man möchte – kochen kann er. Und nicht nur das. Im Laufe der Jahre, die Raue nun schon in der Spitzengastronomie unterwegs ist, hat er seinen ganz eigenen, in Deutschland (und, ich sage mal, auch weltweit) einzigartigen Stil entwickelt. Seine asiatisch, genauer: chinesisch beeinflußte Küche hat Tim Raue jüngst einen Platz unter den so genannten „50 best Restaurants“ der Welt eingebracht. Außerdem ist er durch seine Mitwirkung in der sonntäglichen Kochsendung „Kitchen Impossible“ einem breiteren Fernsehpublikum bekannt geworden.

„My Way“ ist, wenn ich richtig zähle, das dritte Kochbuch von Tim Raue. Schon das zweite, (My favourite Things, auch das ein berühmter Songtitel) zeigte sehr ausführlich den Küchenstil von Tim Raue. Rezepte aus seinMy Way Tim Raueem Berliner Restaurant waren im Original abgebildet. Mit der Folge, dass sie für einen durchschnittlichen Hobbykoch kaum nachzukochen waren, weil schon die exotischen Zutaten für den Privatmenschen in vielen Fällen praktisch nicht beschaffbar sind. Außerdem erfordern manche Rezepte – wie in der Sterneküche üblich – einen Gerätepark, wie er in einer Privatküche meist schlicht nicht vorhanden ist. Womit ich nicht sagen will, dass mir „My favourite Things“ nicht gefallen hätte – im Gegenteil.

„My Way“ geht etwas anders vor als der Vorgänger. Zunächst liest man nämlich auf rund 100 Seiten die Biografie von Tim Raue. Das meiste davon ist aus seiner 2011 erschienenen Biografie „Ich weiß, was Hunger ist“ schon bekannt.

Im eigentlichen Kochbuch-Teil gibt es dann durchaus Rezepte, deren Zutaten man sogar relativ leicht bekommt und die nur mithilfe eines Messers, eines Topfes und eines Holzlöffels nachkochbar sind. Es ist sogar ein Rezept aus Raues Brasserie-Kette „Colette“ enthalten, für das man im Prinzip nur einen Dosenöffner braucht: Dosen-Sardinen mit einem Limettenschnitz und getoastetem Schwarzbrot. Das ist natürlich fast schon wieder eine Frechheit, obwohl die hier verwendeten „Jahrgangs-Sardinen“ tatsächlich von bester Qualität und sehr lecker sind.

Die überwiegende Mehrzahl der Rezepte ist aber nach wie vor in der zwei-Sterne-Küche angesiedelt und deshalb daheim nur bedingt und mit hohem Aufwand nachkochbar. Einige Rezepte erfordern als Gerätschaft einen so genannten „Pacojet“ – Eine Art Speiseeis-Fräse, die in der Spitzengastronomie in jeder Küche steht, allerdings ca. 4.000 Euro kostet. Auch den in manchen Rezepten geforderten „Rational-Kombidämper“ (ein Profi-Ofen, erhältlich ab ca. 6.000 Euro) wird wohl fast niemand daheim haben. Für diese Rezepte muß man sich also etwas überlegen, wenn man sie nachkochen möchte.

Ehrlich gesagt bin ich etwas zwiespältig, wie ich mit Angaben wie „den Fisch im Rational-Kombidämpfer bei 82° genau 6 Minuten garen“ umgehen soll. Denn einerseits sind sie sicherlich authentisch. Ich glaube schon, dass in der Küche von ‚Tim Raues Restaurant der Fisch tatsächlich genau so zubereitet wird. Aber andererseits kann das halt niemand daheim nachmachen. Aber gut, das gleiche Problem haben die meisten anderen Kochbücher mit aktuellen Rezepten aus der Sterneküche ganz genauso.

Ich hatte jedenfalls wieder viel Spaß bei diesem tollen Stückchen Foodporn. Mal sehen, vielleicht versuche ich mal das eine oder andere Rezept nachzukochen.

1 Kommentar

  1. […] Wie üblich habe ich im Vorfeld keine dieser Rezensionen gelesen. Wer meine Meinung vergleichen möchte – hier eine Auswahl: Bei Annette (culinarypixel), bei Oliver (Kochfreunde) und bei meinen lokalen Bloggerfreunden Uli (Delikatessenschmiede) und Thomas. […]

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