Die Region Friaul-Julisch Venetien Teil 1

Friaul-Julisch Venetien

Eigentlich dachte ich ja, ich kenne mich in Italien ganz gut aus. Deshalb war mir auch die Region Friaul-Julisch Venetien durchaus nicht unbekannt, als ich die Einladung bekommen habe, zur „kulinarischen“ Vorstellung dieser Region nach München ins Palais Lenbach zu kommen. Ich kann sagen: Ich hätte NIE gedacht, dass ich hier so viel Neues erlebe. Und: Es war ein Fest.

Sekt aus der Region Friaul-Julisch VenetienWo fangen wir an? Vielleicht bei den Weinen. Da steht die Region für den nicht so versierten Wein-Fan natürlich im Schatten der „Klassiker“ wie Südtirol, Trentino, Piemont oder Toscana. Allerdings völlig zu unrecht – jedenfalls war das mein Eindruck nach dem Abend im Palais Lenbach. Was ich hier an Wein probieren durfte, waren zur einen Hälfte komplett erfrischend aufbereitete Klassiker wie Merlot, Cabernet-Sauvignon oder Grauburgunder (Pinot Grigo). Völlig begeistert hat mich zum Beispiel der ganz klare, fast unschuldig-fruchtige Pinot Grigio vom großen Weingut Forchir.

Auch der frisch-fröhlich-unkomplizierte Merlot vom Weingut di Lenardo hat mir sehr gut gefallen. Er ist ein Beispiel für eine Methode, die in der Region Friaul-Julisch Venetien viele Anhänger zu haben scheint: Man baut – gerade – den Rotwein nicht im Fass aus, sondern gibt ihn direkt aus dem stählernen Gärtank auf die Flasche, läßt ihn eventuell dort noch nachreifen, manchmal – wie bei di Lenardo – aber nichtmal das: Hier bekommt man heute schon den Jahrgang 2016 zu trinken, also fast schon einen „Primeur“, der natürlich völlig anders schmeckt als jahrelang im Faß gereifte Weine.

Aber, wie gesagt: die klassischen, reinrassigen Trauben sind nur die eine Hälfte der Medaille in Friaul-Julisch Venetien. Die andere Hälfte sind die autochthonen Trauben – also solche Trauben, die es ausschließlich in dieser Region gibt – und einige überaus interessante Cuvées. Was die autochthonen Reben angeht, so probierte ich hier gleich zu Anfang einen sehr schönen Sekt aus der „Ribolla Gialla“-Traube aus dem Weingut Collavini. Diese Traube ist in der Region Friaul-Julisch Venetien mindestens seit dem Mittelalter heimisch – so lange ist sie jedenfalls bereits dokumentiert. Der Sekt war ohne jede Schwere, dabei keineswegs eindimensional, angenehm zu trinken aber alles andere als banal. Ein wunderbarer Auftakt.

Mein nächstes Aha-Erlebnis hatte ich am Stand des Weinguts Bastianich. Hier durfte ich die Cuvée „Calabrone“ aus dem Jahrgang 2012 probieren. Dieser Wein besteht zu 70% aus der autochthonen Rebsorte Refosco; außerdem sind 10% Schiopettino, 10% Pignolo und 10% Merlot drin. Die Refosco- und Schiopettino-Trauben werden vor dem Keltern erstmal getrocknet, und dann in offenen 500-Liter-Fässern ausgebaut. Danach reift der Wein zwei Jahre in Barrique-Fässern und danach nochmal zwei Jahre in der Flasche. Dieses ganze Brimborium sorgt am Ende für eine enorme Komplexität im Geschmack, die keinen Vergleich zu großen Gewächsen der klassischen Regionen zu scheuen braucht. Ein echter „Wow“-Wein!

Mein letztes Highlight im Weinbereich war ebenfalls eine Cuvée, nämlich der „Illivio“ vom Weingut Livio Felluga. Der Wein wurde erschaffen zum 85. Geburtstags des Weingut-Chefs, eben jenem Livio Felluga. Er ging jüngst mit über 100 Jahren von uns, wie mir die Repräsentantin am Stand sichtlich wehmütig gestand. Allerdings: Livio hat einen wahrhaft wunderbaren Wein hinterlassen, der ihn lange überdauern wird. Für mich ein unbedingter Tipp.

Meine Erfahrungen im Essens-Bereich gibt es in der zweiten Folge meines Beitrags über das Event der Region Friaul-Julisch Venetien.

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