Luma Restaurant Nürnberg: Das neue „Lorenz“?

Luma Restaurant Nürnberg Lorenz

Das Restaurant Luma Nürnberg befindet sich an einem gastronomisch stark vorbelasteten Ort. Im Gebäude der HypoVereinsbank hinter der Lorenzkirche residierte jahrzehntelang das „Lorenz“, das seinen guten Ruf jedoch in den letzten Jahren mehr und mehr durch überflüssige Marketing-Gimmicks und schlechte Qualität verspielt hatte.

Luma Restaurant Nürnberg LorenzNun gibt es mit dem „Luma“ also einen Neuanfang an dem traditionsreichen Ort – und das ist auch optisch zu verstehen. Der Gastraum im Erdgeschoss wurde komplett neu gestaltet. War er vorher von einer eher nüchtern-stylischen Bistro-Atmosphäre geprägt, so wurde die Gestaltung nun auf die Höhe der Zeit gehievt. Das heißt: Designerstühle im Restaurant-Bereich, einige Separee-artige Nischen mit großen Tischen darin, lustige LED-Lampen an langen Leinen und neues Parkett, das auch noch genauso riecht. Im Barbereich gibt es Glühbirnen-Imitate, die von der Decke hängen. Dazu gemütliche Sitzkissen und im hinteren Bereich eine lange Bank, auf die man seine Aufgaben schieben kann, während man hier Pause macht. Insgesamt alles hell und freundlich, für meinen Geschmack sehr schön.

Ebenfalls erfreut war ich im Luma von der Freundlichkeit des Service. Die Mitarbeiter des Luma sind zwar zum Teil noch etwas ungeübt, aber das ist normal und für mich kein Problem. Und lieber werde ich einmal zu häufig gefragt, ob auch alles paßt, als überhaupt nicht.

Die Betreiberin des Luma, Daniela Werner, ist eine ausgewiesene Gastronomie-Expertin und Restaurantfachfrau mit Stationen unter anderem in der Nobelherberge Schloß Ellmau. In Nürnberg betreibt die junge Frau seit 2013 das etwas versteckt in Mögeldorf gelegene Steak-Restaurant „El Gusto Natural“. Dort habe ich zwar noch nicht gegessen, aber mehrmals vor der Tür herumgelungert. Dabei sind mir das stylische Ambiente im Gastraum und die teilweise echt heftigen Preise auf der Speisekarte aufgefallen. Daher mußte das „gusto natural“ auch bis dato auf mich als Gast verzichten. Das ehemalige „Lorenz“ ist demgegenüber natürlich ein absolutes Dickschiff in der Nürnberger Gastronomie, bei dem die Latte nochmal deutlich höher liegt. Da ist es zum Beispiel schon ein bißchen peinlich, wenn auch mehr als vier Wochen nach der Eröffnung auf der Website beim Menüpunkt „Speisekarte“ noch gähnende Leere herrscht… 😉

Luma mit hohem Anspruch

Das Luma erhebt einen hohen Anspruch (an sich selbst, aber auch den Gästen gegenüber): Es möchte zeitlich nacheinander zwei verschiedene Restaurants sein, nämlich ein edler Fusion-Japaner am Abend und eine gemütliche Tränke für die Mittagspause oder den Nachmittagskaffee am Tage. Dementsprechend gibt es auch zwei verschiedene Speisekarten im Luma. Die für den Mittag bietet eine aus meiner Sicht sehr kluge Beschränkung auf nur wenige Gerichte, die aber ein enormes Spektrum abdecken: Da sind einmal Sushi in verschiedenen Variationen. Dann gibt es Vorspeisen, die hauptsächlich aus der japanischen Küche kommen (etwa eine Misosuppe für günstige 3,50 Euro).

Die wenigen Hauptgericimg_0025hte versuchen (so jedenfalls mein Eindruck), es allen Recht zu machen. Es gibt also ein Beef-Tatar, einen (offenbar fernöstlich angehauchten) Burger und ein thailändisches (!) Curry mit laut Karte japanischen (!) Muscheln (ich tippe übrigens auf Kammuscheln, die derzeit im Großhandel günstig zu haben sind). Das ist zwar erstmal schön, weil hier vermutlich wirklich fast jeder etwas Passendes findet – es ist aber eine enorme Herausforderung für die Küche.

Nun ist es zwar so, dass auch meine Freunde von der Goldenen Traube in Coburg gleichzeitig Sterneküche, Steaks und Sushi anbieten. Aber dort gibt es auch eine Sterneküche mit dem entsprechend umfangreichen Personaltableau im Hintergrund, und dazu trotzdem noch eine eigene Sushi-Meisterin, die nur für die japanischen Fischhappen zuständig ist. Einen solchen Personalaufwand wird das Luma sicher nicht treiben können – also wird es auf Dauer schwierig werden, alles in gleich hoher Qualität zu produzieren.

Sicherlich hat der auf der Luma-Homepage annoncierte Chefkoch Christian Brieske neben dem Schloßhotel Ellmau (s.o.) mit dem Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern und dem dortigen Drei-Sterne-Restaurant von Christian Jürgens zwei echte Referenzposten in seiner Vita. Aber das „Luma“ ist kein hochfliegender Sterne-Laden, sondern ein ganz knallhartes Geschäft, das Tag für Tag und Abend für Abend ohne die Subventionen aus einem Hotelbetrieb laufen muß. Und hier den Spagat hinzukriegen zwischen kulinarischem Anspruch, leistbarem Aufwand in einem kleinen Küchenteam und bezahlbaren Preisen – das wird spannend.

Um einen Eindruck vom Können der Küche zu gewinnen, habe ich drei Gerichte probiert. Einmal zur Vorspeise ein Gomaae, eine Art gepreßte kalte Spinat-Bricketts, die in dieser (der gepreßten) Form eine Variation eines klasssichen japanischen Gerichts darstellt. Hier wird Spinat mit einer süßlichen Sauce aus zerdrückten und getoasteten Sesamsamen, Sojasauce, Mirin und Sake serviert. Das Gericht im Luma gefiel mir gut, wenn auch die Süße gegenüber den komplexeren Sake- und Mirin-Noten zu sehr im Vordergrund stand. Trotzdem war das Gomaae völlig ok, und jedenfalls ein Augenschmaus. Denselben bezahlt man übrigens mit 5,50 Euro.

Küche im Luma mit breitem Spektrum

Danach habe ich im Luma die Sushi probiert- Und zwar zwei normale „Nigiri“, also Reisbatzen mit Fisch obendrauf. Ich habe einmal den Lachs probiert, weil man bei diesem Klassiker sofort merkt, ob die Küche etwas kann oder nicht, und zusätzlich den „Balfego“, einen spanischen Thunfisch, den man selten bekommt. Beides hat mir sehr gut gefallen. Vor allem war der Reis sehr gut und der Fisch nicht so saukalt, wie man ihn in schlechten Sushilokalen häufig serviert bekommt. Zu kalter Fisch schmeckt leider einfach nach gar nichts. Hier also war er völlig ok.

Luma Restaurant Nürnberg LorenzAls Hauptgang kam dann ein ziemlich scharfes Thai-Curry mit den bereits erwähnten Muscheln. Ich esse sehr gerne sehr scharf, deswegen hatte ich damit kein Problem. Aber wer Thai-Küche nicht gewöhnt ist, der sollte gewarnt sein. die Kombination Thai-Curry und Muscheln ist in Thailand durchaus gängig, nur hierzulande sieht man sie selten. Dabei funktioniert die Kombination durchaus gut. Ich hätte mir nur bei den Muscheln einen Spritzer Limettensaft gewünscht, weil die Säure den ansonsten recht eindimensionalen Muschelgeschmack gut abfedert. Außerdem fehlte für meine Begriffe ein Ideechen Salz (und leider gab es am Tisch kein Salz, um hier selbst nachzuhelfen). Und die auf der Karte angegebenen „Erbsensprossen“ würde ich mit Verlaub als ganz normale Sojabohnensprossen umfirmieren wollen.

Insgesamt könnte auch das Curry für seine immerhin 11 Euro noch etwas komplexer schmecken. Denn ein gutes Curry mit Zitronengras, Limettenblättern, vielleicht Galgantwurzel oder ähnlichen Aromaten kann eine ganze Welt des Geschmacks eröffnen. Aber solche Sachen sind eben genau das Problem, wenn eine Küche versucht, ein zu großes Spektrum abzudecken. Man möge mich aber bitte nicht falsch verstehen: Das Essen im Luma ist durchaus gut. Ich würde nur der Küchencrew den Mut wünschen, sich noch mehr auf eine Richtung festzulegen. Vielleicht verliert man dann den einen oder anderen Gast, der unbedingt Tatar essen will. Aber dafür gewinnt man viele Fans mit wirklich guter Thai-Küche (zum Beispiel). Außerdem würde ich mir für die Zukunft wechselnde Tagesgerichte wünschen. Die gibt es derzeit vermutlich deshalb noch nicht, weil es der Küche vielleicht noch etwas an Routine fehlt. Aber das kommt sicher noch. (Inzwischen habe ich das Luma noch ein zweites Mal besucht. Meine Eindrücke lest Ihr hier.)

 

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